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Gemeindereferentin Renate Heyman, Berufungspastoral im Bistum Aachen, Foto: Paul Heesel

So leben, wie Gott mich geträumt hat

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„Die Visionauten“ ist ein erstes Projekt des neuen Teams der Berufungspastoral im Bistum Aachen, das zehn jungen Menschen nach dem Schulabschluss helfen kann, ihre Berufung zu finden. Sie leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), leben in zwei christlichen Wohngemeinschaften (WG) und werden vom Team der Berufungspastoral, Domvikar Matthias Fritz, Gemeindereferentin Renate Heyman und Pastoralreferent Christian Schröder begleitet. Renate Heyman berichtet im Gespräch mit der KirchenZeitung von dem innovativen Projekt.

Ist das Visionauten-Jahr eine Maßnahme gegen den Priestermangel?

Dieser Ansatz setzt weiter an. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Mensch einen Ruf von Gott hat. Wir wollen dazu beitragen, dem auf die Spur zu kommen. Darum begleiten wir in diesem Projekt junge Menschen in der Grundfrage nach ihrer Berufung. Die je eigene Berufung als Christin oder Christ in der Welt zu erspüren, sich ihrer zu vergewissern und auf diesem Weg Schritte zu gehen, ist das Ziel dieses Jahres. Eine Frucht können engagierte und selbstbewusste Christen in Gesellschaft und Kirche sein. Eine Berufung zum Priester, zum Ordensleben oder zu einem anderen seelsorglichen Beruf kann sich dabei abzeichnen, wenn es der eigenen Berufung entspricht.

Warum verfolgen Sie so einen weiten Ansatz?

Wir glauben, dass heute überall Menschen gebraucht werden, die mit der Überzeugung in die Welt gehen: Ich habe von Gott etwas mitbekommen für mein Leben und damit kann ich die Welt ein Stück besser machen, egal an welcher Stelle. Das soll beruflich auch gerne in Kirche sein, muss aber nicht.

Was sollten Visionauten mitbringen?

Eine Vision oder großes Interesse daran, eine Vision für Leben und Beruf zu entwickeln. Ein Visionaut hat die Schule abgeschlossen und verpflichtet sich, ein Freiwilliges Soziales Jahr abzuleisten, das eine besondere Herausforderung birgt. Er soll an seinem Arbeitsplatz visionautisch werden, sich mit seiner Wahrnehmung und seinen Fähigkeiten einbringen, herausfinden, was man verbessern könnte und eine eigene innovative Idee umsetzen.

Ist das nicht sehr anspruchsvoll?

Die Visionauten müssen ihr Arbeitsfeld nicht komplett verändern, sondern an einer Stelle etwas Eigenes umsetzen. Dazu bieten wir zwei Schulungswochenenden an, zusätzlich zu den Schulungen im Rahmen des FSJ. Sie sind also nicht auf sich allein gestellt.

Müssen die Visionauten katholisch sein?

Nein. Sie müssen aber klar haben, dass das ein Angebot der katholischen Kirche ist und dass wir sie mit unseren Werten begleiten. Das zweite Standbein neben dem FSJ ist ja die Wohngemeinschaft. Die Visionauten leben in zwei christlichen WG, wo sie miteinander herausfinden, was ihr Christsein für ihr Zusammenleben konkret bedeutet. Das kann genau so gut ein evangelischer Christ machen. Und letztlich: Wenn ein Ungetaufter brennend am Visionauten-Jahr interessiert ist, da wären wir doch dumm, wenn wir den nicht nehmen würden. Das wäre doch missionarisch.

Hat jeder Mensch eine besondere Berufung?

Ja, und jeder Mensch kann seine besondere Berufung herausfinden. Das setzt voraus, dass er an Gott glaubt, dass er glaubt, dass Gott ihm dieses Leben geschenkt hat, so wie es ist; mit dem Potenzial, etwas Tolles daraus zu machen. Wenn diese Grundannahmen da sind, wenn dann noch – wie für die Visionauten – Menschen da sind, die helfen und ein Umfeld zum Ausprobieren zur Verfügung stellen, dann kann ich mir selbst immer näher kommen, so wie Gott mich mal geträumt hat.

Was zeichnet Ihre Zielgruppe aus?

Das sind junge Menschen in einer Umbruchphase, wo Lebensentscheidungen getroffen werden: Was mache ich mit meinem Leben? Welchen Beruf ergreife ich? Welche Werte sind mir wichtig? Spielt es für mich eine Rolle, dass ich getauft bin? Kann ich mir ein berufliches Handeln in der Kirche vorstellen? Es werden wohl Menschen sein, die kirchlich affin sind, hoffentlich nicht nur aus dem inneren Kreis. Wir haben sehr viele Multiplikatoren in Schule, Jugendarbeit und Gemeinden angesprochen, um für unser Projekt zu werben.

Wie begleiten Sie die WGs?

Wir werden uns in regelmäßigen Abständen mit den Bewohnern treffen und verschiedene Themen bearbeiten. Da wird es sicherlich auch um das konkrete Zusammenleben in der WG gehen und um die Erfahrungen im FSJ. Da werden auch gesellschaftspolitische Themen besprochen und gefragt, wie wir als Christen dazu stehen. Und es geht um spirituelle Begleitung. Jeder Visionaut wählt zudem aus dem Team einen Mentor aus, mit dem er persönlich seine Erfahrungen und Fragen besprechen kann.

Was machen Sie, wenn Sie 20 Bewerbungen bekommen?

Wir entscheiden in der Reihenfolge des Eingangs der Bewerbungen, ob wir den Menschen als Visionauten für geeignet halten. Dann bekommt sie oder er von uns die Zusage. Wenn alle Plätze besetzt sind, dann ist Schluss für dieses Jahr.

Wann wird das Projekt für Sie erfolgreich sein?

Wenn wir 2017 zehn Visionauten gehabt haben und zehn junge Menschen uns hinterher sagen: Mensch, super, das hat mir gut getan und geholfen.

Und Sie sind nicht enttäuscht, wenn keiner beruflich in der katholischen Kirche landet?

Nein. Ich weiß, dass das wünschenswert wäre. Das ist mir klar. Aber dieses Projekt hat einen anderen Ansatz. Es hat das Ziel, Kirche erfahrbar zu machen, als Partner, um sich des eigenen Weges vergewissern zu können. Und zwar ganz offen. Wenn wir das nicht ganz offen machen würden, könnten wir es knicken.

Wie kommt es, dass das Bistum da so fortschrittlich ist?

Es zeichnet das kleine Bistum Aachen aus, dass vieles möglich ist. Hier wird deutlich wahrgenommen, dass Kirche – um es vorsichtig zu sagen – ein Vermittlungsproblem hat; ein Problem, Menschen zu erreichen. Dabei ist es doch die Kernaufgabe von Kirche, Menschen zu begleiten. Das Bistum möchte sicherlich auch etwas gegen die große Personalnot tun. Wir müssen als Kirche innovativ unterwegs sein. Die Welt ist so innovativ; wenn wir weiter in Berührung mit den Menschen in der Welt sein wollen, dann geht das nur, indem wir uns öffnen und entwickeln, Freude am Ausprobieren haben und dabei auch Fehler machen dürfen.

Wann und wie kann man sich als Visionaut bewerben?

Ab sofort. Alle Informationen findet man unter www.die-visionauten.de.

Das Gespräch führte Paul Heesel. Es ist am 3. April 2016 in der KirchenZeitung für das Bistum Aachen erschienen.

Wolfgang Oellers notiert die Beschlüsse, Foto: Paul Heesel

Wir sind der Pastor

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„Wir sind der Pastor“, sagt das elfköpfige Leitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlern der drei Pfarreien St. Heinrich, St. Laurentius und St. Martinus über sich. Seit 2012 praktizieren sie als einzige Gemeinden im Bistum Aachen in dieser Form „Gemeindeleitung in Gemeinschaft“.

Zum Team gehören sechs ehrenamtliche Mitglieder, zwei Kirchenmusiker, zwei Gemeindereferenten und ein Pfarrer. Die drei Pfarreien sind auch Teil der GdG Aachen-Nordwest, zu der weitere Pfarreien gehören, die nicht an der gemeinschaftlichen Gemeindeleitung teilnehmen. Der KirchenZeitung berichtete das Team jetzt von seinen Erfahrungen.

Pfarrer Josef Voß möchte in der letzten Dekade seines Berufslebens tragfähige Strukturen aufbauen, „damit es weitergeht, wenn nach mir kein geweihter Priester mehr in die Pfarreien kommt“.

Sitzung der gemeinsamen Gemeindeleitung drei Aachener Pfarreien, Foto: Paul Heesel

Sitzung des gemeinsamen Leitungsteams der drei Aachener Pfarreien St. Heinrich (Horbach), St. Laurentius (Laurensberg) und St. Martinus (Richterich), Foto: Paul Heesel

Die Frage nach dem Zusammenspiel all der Gremien – Pfarreiräte, Kirchenvorstände, GdG-Rat, Kirchengemeindeverband und Gemeindeleitung – wird zunächst mit fröhlichem Gelächter beantwortet. Es ist nicht einfach. Kirchenmusiker Angelo Scholly sieht bei den Pfarreiräten eher die tagesaktuellen Dinge vor Ort: „Zum Beispiel die Pfarrfeste. Wir vom Leitungsteam haben schon den Ehrgeiz, etwas mehr visionär zu denken.“ Gemeindereferentin Gerlinde Lohmann hebt „die Vogelperspektive“ der Gemeindeleitung hervor, die gute Ideen aus einer Pfarrei für andere fruchtbar machen könne. Für Pfarrer Josef Voß ist es wichtig, eine gute Atmosphäre zu schaffen, um „Konflikte, die es auch bei bestem Miteinander immer geben wird, zu lösen“.

Eine Ehrenamtlerin als Präses der Schützen?

„In St. Laurentius“, sagt Nikolaus Gabele, ehrenamtliches Mitglied, „steht man hinter der Gemeindeleitung.“ „Wohlwissend“, ergänzt Herbert Pichler, „dass man in Laurensberg keinen eigenen Pfarrer mehr bekommen wird.“ Angelo Scholly wirft ein: „Die Schützen würden aber zumindest tief durchatmen müssen, wenn einer von uns statt des Pfarrers zukünftig ihr Präses wäre.“ Christiane Jürgens aus St. Heinrich, dort auch Pfarrsekretärin, sieht sich im kleinen Horbach tatsächlich als Gemeindeleitung wahrgenommen: „Ich werde regelmäßig auf der Straße angesprochen, wenn es Fragen oder Probleme gibt.“ Auf „unglaubliches Erstaunen“ treffe sie, berichtet Mechthild Bergedieck aus St. Martinus in Richterich, wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Gemeindeleitung erzähle: „Wie, so etwas ist möglich bei euch? Das kann ich mir bei uns gar nicht vorstellen.“ Sie alle hier, ergänzt Kantor Gregor Jeub, hätten Gemeindeleben mit der Muttermilch aufgesogen und wollten, dass es weitergehe.

„Wenn ich Dinge alleine entscheide“, sagt Pfarrer Josef Voß, „geht das zwar schneller, aber nicht richtiger.“ In der Gemeindeleitung arbeiten Hauptund Ehrenamtler gleichberechtigt zusammen. Mechthild Berge- dieck bestätigt: „Ich habe nicht das Gefühl, dass hier jemand höher steht, gar nicht.“

Die Gemeindeleitung erfährt viel Wohlwollen

Die Tätigkeit in der Gemeindeleitung mache schon viel Arbeit, meint Peter Bücker aus St. Heinrich, aber wegen des Priestermangels müssten doch neue Wege für ein gemeinsames christliches Leben gefunden werden: „Das ist wichtig und spannend.“

Norbert Becker aus St. Martinus, auch Vorsitzender des GdG-Rates, freut sich, dass viele Menschen die Gemeindeleitung wohlwollend begleiten. „Von unserer Arbeit kommt etwas rüber. Die Menschen haben das Gefühl, da ist ein Gremium, das arbeitet, das helfen kann und Fragen klärt.“ Mechthild Bergedieck bringt ihre Erfahrungen kurz und bündig auf den Punkt: „Das ist Erneuerung von Kirche.

Der Text erschien am 13. März 2016 in der Ausgabe 11/2016 der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.

Hans-Georg Schornstein, Foto: Paul Heesel

„ansprechBar mit Pastor Schornstein“

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Zwischen Eis und Schnitzel findet sich auf der Webseite des Cafés Extrablatt auch der Hinweis „ansprechBar mit Pastor Schornstein“. Das freut Hans-Georg Schornstein, der dort am Aachener Markt dienstags zwischen 12 und 15 Uhr sitzt und einfach ansprechbar ist. Hier kann jeder mit ihm über Gott und die Welt oder ganz private Sorgen und Nöte sprechen. „So eine Offenheit der Kirche ist für viele überraschend“, hat Schornstein mittlerweile gemerkt.
Was ihn auch freut? Dass er heutzutage als Priester immer noch besonderes Vertrauen genießt. „Die meisten, die zu mir kommen, kennen mich ja vorher gar nicht.“

Mehr zur unkonventionellen Seelsorge

Wie die katholische Kirche mit „ansprechBar“ neu und unkonventionell auf Menschen zugeht, erfahren Sie

Weitere Information

www.ansprechbar.ac

 

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