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Tag Archives: Gemeindeleitung in Gemeinschaft

Wolfgang Oellers notiert die Beschlüsse, Foto: Paul Heesel

Wir sind der Pastor

Paul Heesel Keine Kommentare

„Wir sind der Pastor“, sagt das elfköpfige Leitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlern der drei Pfarreien St. Heinrich, St. Laurentius und St. Martinus über sich. Seit 2012 praktizieren sie als einzige Gemeinden im Bistum Aachen in dieser Form „Gemeindeleitung in Gemeinschaft“.

Zum Team gehören sechs ehrenamtliche Mitglieder, zwei Kirchenmusiker, zwei Gemeindereferenten und ein Pfarrer. Die drei Pfarreien sind auch Teil der GdG Aachen-Nordwest, zu der weitere Pfarreien gehören, die nicht an der gemeinschaftlichen Gemeindeleitung teilnehmen. Der KirchenZeitung berichtete das Team jetzt von seinen Erfahrungen.

Pfarrer Josef Voß möchte in der letzten Dekade seines Berufslebens tragfähige Strukturen aufbauen, „damit es weitergeht, wenn nach mir kein geweihter Priester mehr in die Pfarreien kommt“.

Sitzung der gemeinsamen Gemeindeleitung drei Aachener Pfarreien, Foto: Paul Heesel

Sitzung des gemeinsamen Leitungsteams der drei Aachener Pfarreien St. Heinrich (Horbach), St. Laurentius (Laurensberg) und St. Martinus (Richterich), Foto: Paul Heesel

Die Frage nach dem Zusammenspiel all der Gremien – Pfarreiräte, Kirchenvorstände, GdG-Rat, Kirchengemeindeverband und Gemeindeleitung – wird zunächst mit fröhlichem Gelächter beantwortet. Es ist nicht einfach. Kirchenmusiker Angelo Scholly sieht bei den Pfarreiräten eher die tagesaktuellen Dinge vor Ort: „Zum Beispiel die Pfarrfeste. Wir vom Leitungsteam haben schon den Ehrgeiz, etwas mehr visionär zu denken.“ Gemeindereferentin Gerlinde Lohmann hebt „die Vogelperspektive“ der Gemeindeleitung hervor, die gute Ideen aus einer Pfarrei für andere fruchtbar machen könne. Für Pfarrer Josef Voß ist es wichtig, eine gute Atmosphäre zu schaffen, um „Konflikte, die es auch bei bestem Miteinander immer geben wird, zu lösen“.

Eine Ehrenamtlerin als Präses der Schützen?

„In St. Laurentius“, sagt Nikolaus Gabele, ehrenamtliches Mitglied, „steht man hinter der Gemeindeleitung.“ „Wohlwissend“, ergänzt Herbert Pichler, „dass man in Laurensberg keinen eigenen Pfarrer mehr bekommen wird.“ Angelo Scholly wirft ein: „Die Schützen würden aber zumindest tief durchatmen müssen, wenn einer von uns statt des Pfarrers zukünftig ihr Präses wäre.“ Christiane Jürgens aus St. Heinrich, dort auch Pfarrsekretärin, sieht sich im kleinen Horbach tatsächlich als Gemeindeleitung wahrgenommen: „Ich werde regelmäßig auf der Straße angesprochen, wenn es Fragen oder Probleme gibt.“ Auf „unglaubliches Erstaunen“ treffe sie, berichtet Mechthild Bergedieck aus St. Martinus in Richterich, wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Gemeindeleitung erzähle: „Wie, so etwas ist möglich bei euch? Das kann ich mir bei uns gar nicht vorstellen.“ Sie alle hier, ergänzt Kantor Gregor Jeub, hätten Gemeindeleben mit der Muttermilch aufgesogen und wollten, dass es weitergehe.

„Wenn ich Dinge alleine entscheide“, sagt Pfarrer Josef Voß, „geht das zwar schneller, aber nicht richtiger.“ In der Gemeindeleitung arbeiten Hauptund Ehrenamtler gleichberechtigt zusammen. Mechthild Berge- dieck bestätigt: „Ich habe nicht das Gefühl, dass hier jemand höher steht, gar nicht.“

Die Gemeindeleitung erfährt viel Wohlwollen

Die Tätigkeit in der Gemeindeleitung mache schon viel Arbeit, meint Peter Bücker aus St. Heinrich, aber wegen des Priestermangels müssten doch neue Wege für ein gemeinsames christliches Leben gefunden werden: „Das ist wichtig und spannend.“

Norbert Becker aus St. Martinus, auch Vorsitzender des GdG-Rates, freut sich, dass viele Menschen die Gemeindeleitung wohlwollend begleiten. „Von unserer Arbeit kommt etwas rüber. Die Menschen haben das Gefühl, da ist ein Gremium, das arbeitet, das helfen kann und Fragen klärt.“ Mechthild Bergedieck bringt ihre Erfahrungen kurz und bündig auf den Punkt: „Das ist Erneuerung von Kirche.

Der Text erschien am 13. März 2016 in der Ausgabe 11/2016 der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.

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