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Beratung bei der Caritas Aachen für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, Foto Paul Heesel

Hilfe für die Helfenden

Paul Heesel Keine Kommentare

Flüchtlinge in existenzieller Not zu begegnen, von ihren schrecklichen Erlebnissen zu hören und ihnen nicht immer so helfen zu können, wie sie das erhoffen, kann belastend sein. Heidi Baumsteiger bietet beim regionalen Caritasverband in Aachen Beratung für die Helfenden an und berichtet im Gespräch mit Paul Heesel von ihren Erfahrungen.

Warum bietet die Caritas diese Sprechstunde an?

Viele Helfende werden mit schlimmen Dingen konfrontiert. Da kommen Menschen, die nicht mehr besitzen als einen Koffer. Viele Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt und erzählen es. Das kann nicht jeder verarbeiten. Damit wollen wir die Ehrenamtlichen nicht alleine lassen.

Warum engagieren sich so viele Menschen für Flüchtlinge?

Sie sind berührt von den Bildern in den Medien, von der Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit, in die Menschen schuldlos geraten sind. Manche suchen Nähe und wollen vielleicht die Rolle der Oma, der Tante oder des Onkels einnehmen. Manchmal hat das etwas sehr Behütendes. Und irgendwie ist Engagement für Flüchtlinge einfach gemeinschaftsstiftend und bereichernd.

Was macht die Arbeit mit Flüchtlingen schwierig?

Ihre Kultur ist uns fremd. Es kommt zu Verletzungen und Verärgerung, wenn Flüchtlinge sich anders verhalten, als die Helfer erwarten. Schwierig ist auch, wenn man weiß, dass sie keine Bleibe-Perspektive haben, und ihre Angst und Verunsicherung miterlebt. Flüchtlingsarbeit hat viel mit Abschiednehmen zu tun. Wer als Helfer selbst viele Abschiede und Brüche in seinem Leben erlebt hat, wird auch damit nochmal konfrontiert.

Sollte man Flüchtlingen beim Asylverfahren helfen?

Rechtliche Fragen muss man den Profis überlassen, zum Beispiel dem Café Zuflucht in Aachen. Asylverfahren sind sehr kompliziert. Halbwissen aus dem Internet kann Flüchtlinge in zusätzliche Schwierigkeiten bringen.

Was raten Sie Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen?

Helfer sollten auch gut auf sich selbst aufpassen. Wer sich einen Abend pro Woche für zwei Stunden engagieren möchte, der darf nicht drei Abende daraus werden lassen. Man muss mit den schrecklichen Erlebnissen, die Flüchtlinge erzählen, umgehen können.

Wie sollte man Flüchtlingen begegnen?

Mit Respekt. Und man sollte ihre Stärken und Ressourcen sehen. Die bedürftige Lage, in der sie im Moment sind, verleitet dazu, sie selbst als rundum bedürftig wahrzunehmen. Das sind sie nicht. Wer von Mali nach Deutschland flüchten konnte, findet in Aachen auch alleine den Weg zum Sozialamt.

Was macht Helfenden besondere Freude?

Dass sie ganz große Dankbarkeit und Offenheit bei den Flüchtlingen erleben und bei den Allermeisten eine unglaubliche Motivation, diese nicht gerade einfache deutsche Sprache zu lernen und unser Land kennenzulernen.

Wie geht es Ihnen als Helferin für die Helfer?

Es ist sehr viel Arbeit, aber ich lerne unglaublich viele freundliche, offene, hilfsbereite und liebenswerte Menschen unter den Helfern kennen. Das motiviert mich sehr.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Die Flüchtlingsfrage wird uns noch lange begleiten. Wir müssen Wege für die Integration der Menschen finden und gehen. Die anderen sozialen Fragen dürfen wir dabei aber nicht aus dem Blick verlieren.

Das Gespräch führte Paul Heesel.

Offene Sprechstunde für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe in Aachen

Die offene Sprechstunde für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe findet donnerstags von 14 bis 16 Uhr in der Scheibenstraße 16, Aachen, statt. Man kann ohne Anmeldung vorbeikommen oder unter der Rufnummer 02 41/9 49 27 20 eine Beraterin erreichen.

Das Gespräch erschien am 6. März 2016 in der Ausgabe 10/2016 der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.

Bernd Kogel, Suchthilfe Aachen, Foto: Paul Heesel

Neue Lebensqualität dank Führerscheinentzug

Paul Heesel Keine Kommentare

„Der Führerschein steht für mich gar nicht mehr im Vordergrund“, sagt Peter (Name geändert), „sondern die neue Lebensqualität, die mir der Kurs ermöglicht.“ Peter bereitet sich bei der Suchthilfe Aachen auf die MPU vor, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung.

2014 war ihm wegen Alkohol am Steuer der Führerschein entzogen worden. Bei der MPU muss er deutlich machen, dass er zukünftig wieder sicher Auto fährt. Die MPU ist kein „Idiotentest“, wie es im Volksmund heißt, sondern eine Kombination von medizinischer und psychologischer Untersuchung. 2014 wurden in Deutschland 91536 MPU durchgeführt. 35,3 Prozent der Teilnehmer fielen durch, müssen weiterhin auf ihren Führerschein verzichten und beim nächsten Versuch wieder die Kosten tragen. Die Gebühren betragen je nach Anlass des Führerscheinentzugs bis zu 750 Euro.

Offen, ehrlich und selbstkritisch sollte man sein

Ist Alkohol im Spiel, kommen noch mehrere hundert Euro für die Abstinenzkontrollen dazu. Peter darf wegen der MPU ein Jahr lang keinen Alkohol trinken, was sechsmal kurzfristig angekündigt kontrolliert wird. „Wer eine MPU bestehen will, sollte sich gut vorbereiten“, empfiehlt Bernd Kogel, Suchttherapeut bei der Suchthilfe.

„80 Prozent fallen bei der psychologischen Untersuchung im Rahmen der MPU durch. Offenheit, Ehrlichkeit und eine selbstkritische Einstellung sind notwendig.“ Das Gespräch mit dem Psychologen dauere 60 bis 75 Minuten. Dabei gehe es nicht um Seelenstriptease oder Psychotricks. Man müsse deutlich machen, dass man sein Leben so verändert hat, dass zukünftig Alkoholfahrten unwahrscheinlich sind.

Was besonders interessiere, seien die Hintergründe, die zum Missbrauch von Alkohol geführt haben. Bei Peter war das der Leistungsdruck, den er seit Kindertagen kennt. „Eine drei auf dem Gymnasium war schon mit Strafaktionen verbunden.“ Später hat er sich den Druck selbst gemacht, beruflich total verausgabt und mit Alkohol „erholt“. „Dabei hätte ich damals das Trinken und die Arbeitsbelastung nie in Zusammenhang gebracht.“ Das ist ihm erst beim Vorbereitungskurs der Suchthilfe aufgefallen.

Hobbys und Selbsthilfegruppe geben Stabilität

Weil er es sich finanziell erlauben kann, wird der Frühpensionär daher zukünftig nicht mehr arbeiten. „Dabei käme es am ehesten wieder zu einem Rückfall.“ Außerdem hat sich Peter neue Hobbys zugelegt: „Makrofotografie, und am Wochenende hole ich einen Hund aus dem Tierheim, immer denselben. Ich spiele wieder Tischtennis, was ich schon dreißig Jahre nicht mehr gemacht habe, und gehe schwimmen.“ Stabilität gibt ihm auch eine Selbsthilfegruppe beim Kreuzbund. „Erst im Vorbereitungskurs ist mir klar geworden, dass ich früher oft alkoholisiert gefahren bin. Ein Weizen oder zwei, drei Kölsch – kein Problem. Ich hielt mein Trinkverhalten für vollkommen normal. Es hatte keine privaten, beruflichen oder finanziellen Auswirkungen. Die Fassade stimmte.“

Der Vorbereitungskurs der Suchthilfe dauert sechs Monate und kostet 750 Euro. Über 90 Prozent der Anwärter bestehen die Prüfung. Interessierte können alle fünf Wochen einsteigen. Vorab muss mit Bernd Kogel (Tel. 0241/41356128) ein unverbindliches Gespräch geführt werden. Kogel ist überzeugt, dass Geld und Aufwand gut investiert sind. „Der Führerschein ist ja nur das Abfallprodukt der Bemühungen. Viel mehr zählt, was man an Lebensqualität und Leistungssteigerung, an klarem Kopf, an Wohlbefinden, neuen Kontakten und Interessen gewinnt.“

Der Artikel ist am 14. Januar 2016  in der KirchenZeitung für das Bistum Aachen erschienen.

Rainer Krebsbach und Dr. Gerrit Köster

Die Zukunft der offenen Altenarbeit

Paul Heesel Keine Kommentare

Im September 2015 feierte die Altentagesstätte im KAB-Begegnungshaus in Aachen-Brand ihren 50. Geburtstag. Für den Vorsitzenden der KAB in Brand Alfred Stoffels war das Jubiläum Anlass, um den Blick in die Zukunft zu richten. Der ehrenamtliche Einsatz stoße an seine Grenzen und die Sozialpolitik sei gefordert, um über bedarfsgerechte und professionellere Angebote nachzudenken.

Generationsübergreifende Begegnungszentren

Ich habe das Thema für die KirchenZeitung im Bistum Aachen aufgegriffen. Bei Rainer Krebsbach (links) vom Regionalen Caritasverband und bei Dr. Gerrit Köster von der Stadt Aachen sind die Herausforderungen bekannt; entsprechende Konzepte mittlerweile entwickelt und in einigen Sozialräumen der Stadt Aachen auch schon umgesetzt worden. Aus Altentagesstätten werden generationsübergreifende Begegnungszentren mit hauptamtlicher Leitung, die die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt und fördert.

Mein Bericht dazu ist in der Ausgabe 36 / 2015 der KirchenZeitung (6. September 2015) erschienen. Die Online-Version findet man hier.

 

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