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Frei leben, reden, lieben und glauben

Dialog der Religionen 2016, Foto: Paul Heesel

Frei leben, reden, lieben und glauben

Paul Heesel Kein Kommentar

Wenn zum Nachmittagskaffee neben deutschem Apfelkuchen und belgischem Reisfladen auch Schafskäse mit Kürbis nach bosnischem Rezept, türkische Rinderfrikadellen, Quiche und vegetarische Pakor aus Indien angeboten
werden, dann ist in Aachen Friedensmahl.

Zum sechsten Mal trafen sich am 17. Januar 2016 über 150 Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, aus Politik und Verwaltung sowie Bürger im Ballsaal des Alten Kurhauses, um sich unter dem Motto „Von Fremden zu Freunden“ kennenzulernen. Bürgermeisterin Hilde Scheidt erhielt viel Beifall, als sie mit kräftiger Stimme feststellte: „Wir haben bisher in Aachen jede Pegida, jeden NPDler und jeden AFDler in die Schranken verwiesen, und wir haben das gemeinsam getan!“ Aachen habe durch seine großen Werke Missio und Misereor eine lange Tradition, wenn es darum gehe, andere Kulturen und andere Menschen als Freunde zu betrachten und nicht als Fremde.

Integration und Austausch zwischen Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund

„Das Friedensmahl ist mir wichtig. Ich möchte es selbst erleben“, erklärte Polizeipräsident Dirk Weinspach. „Dass es hier so etwas gibt und dass es hervorragend funktioniert, ist prägend für die Atmosphäre in Aachen. Hier herrscht, was Integration und den Austausch zwischen Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund anbelangt, ein besonderes Klima. Das hilft auch der Polizei.“

Um aus Fremden Freunde zu machen, ist für Abdurrahman Kol, Vorsitzender der Ditib Türkisch-Islamischen Gemeinde, die Arbeit der Gemeinden sehr wichtig. „Als ich 1981 nach Aachen kam, bin ich zuerst in die Moschee gegangen, um zu beten. Da habe ich dann Leute kennengelernt, mein Engagement hat sich weiterentwickelt, und ich bin dann selbst im Dialog aktiv geworden.“

Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane gehört zu den Initiatoren des Friedensmahls. „Es sind immer mehr Leute gekommen. Das zeigt eindeutig, wie wichtig es für unsere Stadt und die Menschen hier ist“, sagte er.

An acht runden Tischen wurde lebhaft diskutiert und lecker gegessen. „Aus Fremden Freunde zu machen, kann richtig Arbeit bedeuten“, berichtete Gehrt Hartjen von „Religions for Peace“ vom Gespräch an Tisch drei, an dem man sich auf den Satz „Gott ist Liebe“ einigte: „Was von Gott kommt, fördert die Liebe, fördert die Einheit, fördert die Eintracht. Wenn etwas für Zwietracht oder Hass ist, dann kann es nicht von Gott, nicht von der Religion kommen.“

 Christen, Sikhs, Bahai, Muslime, Buddhisten, Quäker und eine Atheistin

An Tisch vier diskutierten Christen, Sikhs, Bahai, Muslime, Buddhisten, Quäker und eine Atheistin. Ihre Anregung: „Gemeinsamkeiten herausstellen, Unterschiede akzeptieren, wertschätzen oder zumindest erstaunt zur Kenntnis nehmen.“

Für Tisch sechs berichtete Frank Aheimer (Bahai), dass Religion nur dann etwas Trennendes sei, wenn man nicht über den Tellerrand des eigenen Glaubens hinausblicke. „Wir haben uns als Fremde am Tisch zusammengesetzt und sind schon ein Stück weit Freunde geworden.“

Arabische Christen in Aachen

Syrische Christen an Tisch sieben wandten sich mit einem konkreten Appell an die Gäste: „Wir wollen unsere Gottesdienste in Aachen feiern und unsere arabischen, christlichen Lieder singen. Bitte helfen Sie uns, in Aachen eine arabische Kirche zu gründen.“

„Mein Lieblingspunkt“, sagte Marion Moss von Tisch acht: „Frei leben, frei reden, frei lieben und frei glauben“ und erhielt zum Ende des Friedensmahls sehr viel Applaus dafür.

Der Artikel ist am 31. Januar 2016  in der KirchenZeitung für das Bistum Aachen erschienen.

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